Türkenbrunnen

Dieser Brunnen erinnert an die vielen Überfälle der Ungarn, Türken und Kuruzzen. Er steht stellvertretend für die damals in der Stadt vorherrschenden tiefen, meist gemauerten Brunnen, die nicht nur kaltes und reines Wasser lieferten, sondern sich auch als sicheres Versteck für Wertgegenstände boten. Die Grenzstadtbewohner mussten durch viele Überfälle die Stadt oft plötzlich verlassen.

Ihre bescheidenen Wertgegenstände verstauten sie in leeren Wassereimern, die man an einem Seil befestigt entlang der Brunnenmauer in die Tiefe gleiten ließ. Am Innenrand des Brunnens waren Eisenhaken für die Befestigung der Seile angebracht. Der sichtbare Strick wurde mit Mörtel beworfen, sodass dieser mit der Mauerung des Brunnens verbunden und optisch nicht sichtbar war. Die Brunnenränder waren meist aus Eichenholz. Man nutzte die Ängstlichkeit – vor allem jene der Türken, die sich vor Wasser und Brunnen fürchteten. Wenn man das Glück hatte heil von der Flucht zurückzukehren, löste man den Mörtel vom Seil und barg den Kübel mit den Wertgegenständen. Falls dies nicht der Fall war, durften Nachbarn nach einer bestimmten Frist die Wertgegenstände bergen und dem Magistrat den Fund bekannt geben. Der Volksmund spricht schon Anfang des 16. Jahrhunderts vom sogenannten „Türkenbrunnen“.

Der vor dem Reich-Haus situierte und in Sandstein aus St.Magarethen nach den Plänen des Büro Rauers gebildete Brunnen weist eine Tiefe von 26 m auf und gilt als Blickfang des Ungarplatzes. Der ständige Wasserfluss wirkt erfrischend und sorgt für Abkühlung an heißen Sommertagen. Der in Robinienholz ausgeführte Brunnenrand dient als Bank und lädt zum Verweilen ein. Dieser Grundwasserbrunnen ist auch im Winter in Betrieb.


  • Eduard Mörike
    Man muss immer etwas haben, worauf man sich freut.
    Eduard Mörike

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