Filialkirche Übersbach

Im Jahr 1197 übergab Erzbischof Adalbert III. von Salzburg die von ihm geweihte Kirche von Übersbach („Ubulspahc“), ausgestattet mit Tauf- und Begräbnisrecht, an die Johanniter. Gleichzeitig übertrug der mächtige steirische Ministeriale Herrand von Wildon – der als Begründer von Kirche und Ort gilt – das Patronatsrecht, welches er über die Johanneskirche von Übersbach innehatte, mitsamt Zehentrechten in neun genannten Orten ebenfalls an den Orden. Diese Urkunde von 1197 ist somit der erste gesicherte Nachweis des Johanniterordens in der unmittelbaren Umgebung von Fürstenfeld und neben einem „Spital“, also Hospital bzw. einer Herberge am Wechsel war Übersbach der erste Besitz der Johanniter in der gesamten Oststeiermark.  Als Herzog Friedrich II. von Österreich im Jahr 1234 seinem Bruder Leopold von Blum(en)au gestattete, sein gesamtes Dorf Altenmarkt an die Johanniter zu stiften, erbauten diese hier bald darauf eine eigene Kirche. Infolgedessen wurde das Pfarrrecht von Übersbach an Altenmarkt übertragen, die Kirche des Johannes Baptist wurde zur Altenmarkter Filialkirche.

Im Mai 1605 nahmen ungarische Aufständische, die Haiducken, kampflos die mangelhaft befestigte Stadt Fürstenfeld ein. Im Zuge dieses Einfalls wurde wohl auch die Übersbacher Kirche schwer beschädigt oder sogar zerstört. Bald darauf wurde der Turm der Kirche wieder errichtet, auf dessen wehrhaften Charakter die Schießscharten hinweisen. Neubau und Vergrößerung der Kirche erfolgten in mehreren Etappen bis zum Jahr 1690. Seit damals präsentiert sich die Kirche des Johann Baptist in der uns heute bekannten Gestalt. Als Planer für den Zubau der bis dahin wohl nur den heutigen Altarraum umfassenden Kirche wird der steirische Baumeister Matthias Lanz angenommen, der zwischen 1662 und 1667 auch die Söchauer Kirche erbaut haben soll.

Neben dem Hochaltarbild, das den Kirchenpatron Johannes den Täufer (flankiert vom heiligen Leopold und dem Evangelisten Markus) zeigt, weist auch die Kircheneingangstür auf den Johanniterorden hin. Die stark zerklüftete zweiflügelige Tür dürfte aus Pappelholz gefertigt sein und aus der Zeit vor 1712 stammen. Sie zeigt heute noch zwei in die Tür geschnitzte Malteserkreuze sowie Türbeschläge in Gestalt von Rittern.

Ein Beitrag von Dr. Erik Hilzensauer und Mag. Ursula Kohl


  • Eduard Mörike
    Man muss immer etwas haben, worauf man sich freut.
    Eduard Mörike

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